Mein Kamera-Bag

Foto-Bag
Mein Foto-Bag

Fotografieren heißt sehen lernen. Wer darüber hinaus geht, seine Familie bei Festen und im Urlaub abzulichten und das Aufwachsen seiner Kinder zu dokumentieren, braucht eine passende Ausrüstung und kommt mit einer Kompaktkamera nicht mehr aus. Natürlich liefern diese kleinen Technikwunder und heute auch die diversen Smartphones in den Händen von Profis und engagierten Amateuren tolle und inspirierende Bilder, allein die technische Qualität und die Anwendungsbreite sind doch ziemlich beschränkt.

Nachdem ich viele Jahre mit Canons Powershot und EOS mit Zoomobjektiven gearbeitet habe, zuletzt mit einer EOS 60D, habe ich den Inhalt meiner Kameratasche umgekrempelt und bin auf Nikon umgestiegen. Mein Haupt-Arbeitsgerät ist seit einiger Zeit die vollformatige D750. Wenn das Gerät zur Bildaufzeichnung auf einer Fototour etwas leichter sein soll, fällt meine Wahl derzeit auf die kleinere D5300. Beide Kameras bieten beachtliche 24 Mbit, also 6000 x 4000 Pixel, und überzeugen mich in Sachen Autofokus, Farbwiedergabe und Tonwert. Besonders beim Autofokus konnte mich die Canon nicht überzeugen, obwohl auch sie schon ein tolles Gerät ist. Aber ich musste häufig zu viele Bilder wegen Unschärfe aussortieren.

Nikon D750 mit AF-S Nikkor 50mm 1:1,8 G
Nikon D750 mit AF-S Nikkor 50mm 1:1,8 G
Nikon D5300 mit AF-S DX Nikkor 35mm 1:1,8 G
Nikon D5300 mit AF-S DX Nikkor 35mm 1:1,8 G

Was an der Canon dagegen gut ist, das ist die leichte, intuitive Bedienung, wenn man sich erst einmal eingearbeitet hat. Der Umstieg auf Nikon erfordert doch schon einiges an Eingewöhnung. Das liegt aber natürlich auch daran, dass die D750 sehr flexibel ist mit ihren vielen Einstellmöglichkeiten. Wer optimale Ergebnisse aus seiner Kamera herausholen will, der muss natürlich ihre Bedienung beherrschen. Das erfordert schon einigen Aufwand zum Studium der Bedienungsanleitung.

Nikon D750
Da schwenkbare Display der Nikon D750 erleichtert Aufnahmen über Kopf und dicht über dem Boden.
Nikon D5300
Das in alle Richtungen schwenkbare Display der D5300 ermöglicht flexiblen Einsatz der Kamera.

Bei allen Kameras war mir wichtig, dass das Display schwenkbar ist. So fällt es leichter, ein Motiv außerhalb der eigenen Wohlfühlzone anzugehen. Auf einer Wiese, einem Acker oder auf dem Asphalt kann man sich ja schon mal setzen oder auf den Bauch oder auf den Rücken legen, aber nach einem heftigen Regen, an einem Flussufer oder bei matschigem Untergrund sind solcher Einsatzfreude doch irgendwann Grenzen gesetzt. Allerdings ist der körperliche Einsatz immer noch erste Wahl. Die Live-View-Modi arbeiten halt etwas träge, zudem fordern sie den Akku zusätzlich.

Nikon AF-S VR Micro-Nikkor 105mm 1:2,8 G ED
Nikon AF-S VR Micro-Nikkor 105mm 1:2,8 G ED

Bei den Linsen bevorzuge ich inzwischen Festbrennweiten wegen der in der Regel besseren Abbildungsleistung gegenüber Zoomobjektiven. Bevor ich auf Fototour gehe, überlege ich, welche Brennweite für das Projekt, das ich gerade angehe, die geeigneteste ist. Natürlich ist eine Festbrennweite gegenüber Zoom unbequem. Sie macht Arbeit bei der Suche nach der richtigen Aufnahmeposition, nach dem richtigen Bild. Sie belohnt den Fotografen aber gerade Dank dieser Mühe mit einem Lernprozess, mit neuen Sichtweisen, die seine fotografischen Fähigkeiten fördern.

AF-S Nikkor 20mm 1:1,8G ED
AF-S Nikkor 20mm 1:1,8G ED

Bereits das preiswerte AF-S Nikkor 50mm / 1:1,8 G bietet eine gute Abbildungsleistung, ebenso das AF-S Nikkor 35mm / 1:1,8 G, das ich häufig an meiner D5300 als Standard aufgesetzt habe. Wie das 50er an der D750 liefert auch das preislich relativ günstige 35er Glas gute Qualität ab. Eine Stufe besser ist noch das AF-S Micro Nikkor 105mm / 1:2,8 G ED. An der D5300 bietet es bereit ein leichtes Tele von immerhin gut 150mm. Überzeugt hat mich auch das AF-S Nikkor 20mm / 1:1,8 G ED.

Wenn die Motive näher heranrücken sollen, greife ich zum AF-S Nikkor 70-200mm f/2.8G ED VR II. An einer Crop-Kamera liegt die Brennweite immerhin bei recht stattlichen 300mm. Das schon etwas betagte, lichtstarke Objektiv ist für ein Zoom ein wahres

AF-S Nikkor 70-200
AF-S Nikkor 70-200mm f/2.8G ED VR II

Schärfewunder – und das über den gesamten Brennweitenbereich. Es ist hervorragend verarbeitet und besitzt einen leisen, treffsicheren Autofokus. Der Bildstabilisator sorgt für verwacklungsfreie Bilder bei Aufnahmen aus der Hand. Schwenks zum Einfangen von Bewegungsunschärfe sind dank zweistufiger Einstellung des Stabilisators möglich. Chromatische Aberration wird weitgehend unterdrückt und muss am PC nur selten nachgebessert werden. Für die Befestigung am Stativ gibt es einen Befestigungsschuh, der im Bereich des Schwerpunkts von Objektiv und Gehäuse sitzt.

Ein Nachteil soll nicht verschwiegen werden: Mit 1540 Gramm Gewicht plus Gehäuse hat man schon einiges zu schleppen, und längere Einsätze belasten das Handgelenk spürbar. Und bei längeren Wanderungen sollte man sich das Mitführen dieses Trumms gut überlegen. Die Schwerkraft zerrt am Kamera-Bag auf dem Rücken ganz schön gen Erdmittelpunkt. Aber die Bilder sind Spitze. Die Abkehr von der Festbrennweite ist im semiprofessionellen Einsatz angesichts eines Preises um 2000 Euro nach meiner Überzeugung nach gerechtfertigt.

Den nicht gerade preiswerten Umstieg auf Nikon habe ich nicht bereut. Im Gegenteil. Softwareseitig ist freilich etwas lästig: Lightroom 4 liest das Nikon eigene RAW-Format NEF nicht. Also ist hier eine Aktualisierung notwendig. Zwar kann man für die Bearbeitung auch die Nikon-Software nutzen. Doch das erschwert den Workflow. Ich muss die Bilder zunächst in der Nikon-Software Capture NX-D sichten, bewerten, auswählen und einer ersten Bearbeitung unterziehen, dann in TIFF konvertieren und nach Lightroom importieren, wo ich alle meine Bilder katalogisiere und von wo aus ich sie je nach Verwenungszweck exportiere. Da dies viel zum umständlich, zeit- und speicherraubend ist, führt an der Lightroom-Aktualisierung kein Weg vorbei, zumal die Archivierung und Katalogisierung wie gewohnt an einer Stelle gleich beim Import erfolgen kann.

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