Maria Laach

Himmel und Hölle von Maria Laach

Der Ort hat etwas Mystisches. Alle Hektik des Alltags fällt ab. Als ich das erste Mal in Maria Laach war, hängen die Wolken tief über dem See und dem Kloster. Es ist ruhig. Nur leichte Wellen schwappen über den See ans Ufer, die Ruderboote am Bootsverleih liegen ruhig vertäut am Steg. Die Türme der Basilika stoßen in die tiefhängenden Wolken, aus denen es lautlos herausrieselt, verschwinden fast im Dunst. Ob die Mönche, die vor Zeitaltern das Kloster 1093 gründeten, denselben Zauber erlebten?




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Eingang ins Paradies

Wer die Klosterkirche betritt, schreitet ins Paradies. Kaum zu glauben direkt neben der Hölle, nämlich dem Vulkan, der nach seinem letzten Ausbruch etwa 10930 v. Chr in sich eingestürzt ist und dessen Caldera sich mit Wasser gefüllt hat – der heutige Laacher See. Paradies, so nennen die tiefgläubigen Männer das Atrium aus dem 13. Jahrhundert, durch das der Besucher die Basilika betritt. In der Mitte liegt ein kleiner, grüner Garten mit dem hübschen Löwenbrunnen, den Br. Radbod Commandeur 1928 geschaffen hat.

Schaffen der Künstlerbrüder

Nicht nur der Brunnen zeugt vom Schaffen der Künstlerbrüder. Aktuell, im Jahr 2016 sind das Bruder Lukas Ruegenberg, Bruder Joseph Belling und Bruder Stephan Oppermann. Sie verstehen ihr künstlerisches Schaffen aus Gebet und Meditation heraus, so wie ihre Vorgänger seit langen Zeiten. An vielen Stellen der Klosteranlage trifft der Besucher auf Skulpturen aus dem Schaffen der Brüder.

Nach mehr als sieben Jahrhunderten beten und arbeiten hinter den Klostermauern hoben die Franzosen im Jahr 1802 das Kloster auf. Über Jahre verfiel das Anwesen, bis 1820 der preußische Regierungspräsident in Trier es samt See und Ländereien erwarb und als Gutshof nutzte.

Gutshof ist ausgebrannt

1855 brannte das Kloster aus. 1862 erwarb es der Jesuitenorden, der die heute noch bestehende, weltberühmte Bibliothek anlegte. Während des deutschen Kulturkampfes 1872 gaben die Jesuiten das Kloster wieder auf. 20 Jahre später, 1892, besiedelten erneut die Benediktiner Maria Laach. Bis heute erfüllen sie die sechstürmige romanische Basilika und die Klosteranlage mit Leben.

Und sie leben nicht nur für Gebet und Kontemplation. Sie erweisen sich vor allem als äußerst geschäftstüchtig und haben zahlreiche Klosterbetriebe gegründet: einen Verlag, eine Buch- und Kunsthandlung, eine Gärtnerei, Kunstschmiede, Bildhauerei, Keramikmanufaktur, einen Obstgarten, das Klostergut und den Hofladen, die Klosterfischerei und eine Schreinerei. In der Klostergaststätte werden Besucher gerne bewirtet. Die Bemühungen haben sichtlich Erfolg. Und wenn dann noch die Sonne scheint, dann drängen die Touristen in Scharen auf das gepflegte Anwesen.

Geschäftstüchtige Klosterbrüder

Geschäftstüchtig sind die Brüder übrigens auch in ihrem Klosterbetrieb selbst. Sie laden Menschen zum Gang ins Kloster auf Zeit ein. Das Angebot gilt nicht etwa als Schnupperangebot für Menschen, die erwägen, dem Weltlichen zu entsagen. In dem Gästehaus Klosterpforte können sich auch Menschen einmieten, die abseits des Alltagsstress Besinnung finden wollen. Sie sind von den Mönchen eingeladen, an deren Alltag mit Gebeten und Kontemplation teilzunehmen.

Die Hölle ist nicht erloschen

Die Hölle nebenan bleibt präsent. Vom ersten Auftreten von Magma unter dem heutigen See bis zum gewaltigen Ausbruch zum Ende der letzten Eiszeit vergingen 17.000 Jahre. Vulkanologen zufolge ist angesichts solcher erdgeschichtlichen Zeiträume sehr wahrscheinlich, dass sich die Hölle der Eifel in den nächsten Jahrtausenden erneut öffnet. Aktiv ist die Erdkruste in den Tiefen der Eifel allemal. So steigt im südöstlichen Uferbereich des Sees auch heute noch Kohlenstoffdioxyd auf. Derzeit allerdings, so heißt es, bestehe keine Gefahr.




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