Seriemer Mühle

Eine Windmühle auf der Warft

Seriemer Muehle
Seriemer Mühle mit dem Wirtschaftgebäude links und dem Teestube rechts

Der Müller hatte einen kurzen Weg von seiner Wohnstatt zur Arbeit: Über einen hölzernen Steg gelangte er von seiner gemütlichen Wohnstube direkt zu seinem Arbeitsplatz. Er hielt am Morgen den Finger in die Luft – wo kommt der Wind her? Dann stellte er die vier Flügel der Windmühle der anströmenden Luft entgegen. Bei der Seriemer Mühle in Ostfriesland können die Besucher sich ein Bild über frühere Arbeitswelt und Technik sowie ostfriesische Gemütlichkeit machen. Die alte Holländermühle wird heute durch einen privaten Mühlenverein am Leben gehalten.




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Die in dem zu Neuharlingersiel gehörenden Warfendorf Groß Holum liegende Holländermühle wurde 1804 gebaut und noch bis 1975 gewerblich genutzt. Heute erstrahlt sie nach ihrer Restaurierung durch die Eigentümerin Eke Thaden und den 2002 gegründeten Mühlenverein „De gode Verwagting“ (niederländisch = Die gute Erwartung, so der Name der Mühle) wieder in neuem Glanz.

Vorindustrielles High-Tec von den Holländern

Die Windmühle zeigt, wie eine Holländermühle arbeitet – von der oberen Etage mit der Kraftübertragung, wo das Mehl gemahlen wird, über das mittlere Geschoss, wo Mehlsorten gemischt werden, bis ins Erdgeschoss, wo die Säcke für die Auslieferung an die Kunden befüllt wurden. Eine perfekte kleine Fabrik aus der Zeit vor der industriellen Revolution, angetrieben von der Kraft des Windes und ohne Umweltverschmutzung.

Im Gegensatz zu früheren Windmühlen wie der Bockwindmühle musste bei der Holländermühle nicht mehr das ganze Gebäude in den Wind gewuchtet werden, damit sich die Flügel fleißig drehen. Nur der Kopf mit der Kraftübertragung musste noch gedreht werden. So konnte das Gebäude durch die Erfindung der Holländer wesentlich größer und produktiver werden.

Ende der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts war es freilich mit der sauberen, handwerklichen Produktion vorbei. Um Mehl weiter produzieren und mit den industriellen Unternehmen Schritt halten zu können, wurde ein 35- bis 40-PS-Dieselmotor in die Seriemer Mühle eingebaut. Doch das half nicht lange, die Mühle war nicht konkurrenzfähig. Ab 1968/69 wurde mit Strom gemahlen. Bald darauf wurde der Betrieb eingestellt.

Seriemer Mühle restauriert

Die Mühle litt in den folgenden Jahrzehnten unter Wurmfraß und Feuchtigkeit. 2003/4 wurde die Restaurierung mit Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz begonnen. Heute ist die Mühle mit ihrer Originaltechnik wieder voll funktionsfähig. Der I. Bauabschnitt kostete 47.000 Euro.

2007 wurde die Erhaltung auch der Gulfscheune neben der Mühle beschlossen, 2015 wurde eine weitere Restaurierung durch eine Mühlenbaufirma vorgenommen. „Gulfhaus“ bezeichnet eine ostfriesische Bauernhausform, einen Holzgerüstbau in Ständerbauweise.

Gemütliche Teestube

In dem alten Müllerhaus von 1844 wurde eine gemütliche Teestube eingerichtet, in der natürlich echter Ostfriesentee ausgeschenkt wird. Die Gäste können ihn bei schönem Wetter im kleinen Garten unter alten Linden genießen oder in der altertümlichen Gaststube. In dem Müllerhaus werden auch Gästezimmer angeboten.

Feier am Deutschen Mühlentag

Die Eigentümerin und der Mühlenverein feiern ihr Werk regelmäßig am Deutschen Mühlentag, der jährlich am Pfingstmontag stattfindet. Wenn der Wind bläst, gibt es Mahlvorführungen. Die Besucher erleben dann hautnah, wie Mehl früher handwerklich hergestellt wurde.
Der Mühlenverein wurde gegründet von Bürgern der Umgebung und der Eigentümerin Eke Thaden, geborene Börgmann. Ziel des Vereins ist die langfristige Erhaltung der Mühle. 2016 hat der Verein bereits 168 Mitglieder.

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